Conny Wischhusen

STANGENWARE

 

Vernissage: Samstag, den 06. Oktober 2018 ab 18.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 07.10. bis 02.11.2018

 

Öffnungszeiten:

jeden Dienstag von 18.00 bis 20.00 Uhr

und

Samstag, den 20.10.2018 von 11.00 bis 13.00 Uhr

sowie nach Vereinbarung unter 0152 3357 6128

(zusätzliche Besichtigungsmöglichkeiten siehe Menüpunkt "Öffnungszeiten")

 

Weitere Informationen zur Künstlerin

 

 

Anbei ein Auszug einer Rede von Ernst Matzke zur Vernissage im April 2016 über

 

„Stangenware“ –

 

„so benennt Conny Wischhusen ihre neuesten, malerischen Werke.

Mir waren von ihr bisher mehr fantasievolle, klein- und mittelformatige Linoldruckgrafiken und

experimentelle Druckgrafiken in teilweise collagierten Mischtechniken bekannt. Darin

verarbeitete sie oft motivisch figürliche Darstellungen unterschiedlichster Art. Diese Linoldrucke

hatte sie bereits meist auf industriell gefertigten, bunt gemusterten Geschenk- oder

Schrankpapieren hergestellt und dabei ganz bewusst auf edle Bütten- oder Japan-Papiere

verzichtet.

Doch jetzt - unter dem mehrdeutigen Begriff „Stangenware“ greift sie beherzt zu Pinsel und

Spachtel, verwendet die unterschiedlichsten Farbmaterialien und Malgünde, die wiederum nicht

jedem als gebräuchlich gelten. Gewöhnliche Industrie-Verpackungskartons, unbehandelte

Baumwoll-Säcke bis hin zu rohen Leinwänden aus industrieller „Stangenware“, oder anders

formuliert: aus Massenproduktion“.

Was bewegt sie dazu - und was will sie damit uns Betrachtern sagen?

Nun - Conny Wischhusen verriet mir ihren Leitsatz aus ihrer persönlichen Erfahrung: „Wenn Du

suchst, dann findest Du NICHT !“

- in einer Umkehrung des bekannten Satzes „Wer sucht, der findet!“

Das interpretiere ich mal so: Die Themen, die Conny Wischhusen bewegen, die finden zu IHR -

durch Informationen, dem Erleben und Wahrnehmen des Geschehens in ihrem Leben und dem

Leben um sie herum, in der globalen Welt.

Aber zurück zum Thema „Stangenware“:

Wir entdecken eine minimalisierte, abstrakte Darstellungsform von stangenartigen oder

röhrenförmigen Gebilden auf teilweise monochromen Farbgründen unterschiedlicher Intensität.

Wischhusen benutzt dazu mal Farbpaletten mit reinen, leuchtenden Farben, und mal die

dumpferen, erdigen Töne. Sie benutzt teilweise sogar ein stangenartig schmales Bildformat zur

Steigerung der Bildaussage.

Aber können wir Conny Wischhusens dargestellte Stangen-Gebilde wirklich so einfach

einordnen? Sind diese teils verformten, länglich- schmalen Flächen mit ihren merkwürdigen

Abschattierungen überhaupt „gegenständlich“? Führt sie uns mit ihren Titeln vielleicht sogar

absichtlich in eine falsche Richtung? Dürfen wir ihren „Stangen“ trauen?

Da biegt sich etwas in die eine oder andere Richtung, verzweigt sich oder durchdringt sich

sogar, endet irgendwo. Wegweiser oder Endstation? Vielleicht mit einem scharfen Messer

herausgeschnittene Teile eines Irrgartens? Eines Irrweges, auf dem wir uns befinden ???

Wir Menschen ordnen Linienführungen zu, zumindest in der westlichen Welt auf Grund unserer

Schreib- und Lesegewohnheiten von links nach rechts. Nach rechts empfinden wir als

weiterführend. Nach links: zurück- führend. Nach oben und schräg rechts: aufsteigend. Nach

oben links und schräg links: abweichend, abkehrend.

Eine Linie von unten links nach oben rechts geführt, empfinden wir als positiv, erfolgreich

ansteigend. Nicht ohne Grund hat die Deutsche Bank in ihrem Logo den blauen Schrägbalken

so gesetzt - als Symbol für Wertsteigerung und positive Entwicklung - Na ja, na ja ...

Als Stangenware bezeichnen wir industrielle Massenware in genormten Formaten und Mengen

produziert, und nicht unbedingt eine individuell hergestellte Handarbeit, die wir in der Kunst als

ein Original bezeichnen. Vieles an den Arbeiten von Conny Wischhusen könnte darauf

hinweisen, dass sie unter Verwendung von speziell industriell hergestellter Massen- ware für

ihre Malgründe in recycelter Form diese wieder durch individuelle, künstlerische Bearbeitung

und Ausformung zu jeweils einem einzig- artigen Original, einem Unikat gestaltet, - und dass

das ihr Anliegen und Motivation ist, uns darauf aufmerksam zu machen ! Damit wir vielleicht

zurückfinden und ein Gefühl wieder entdecken für die Originalität und

"

Individualität in unserer „Wegwerfgesellschaft“ der Massen- und Überproduktion.

„Stangenware“, im Englischen „goods off the peg“ - Waren von der Stange - ist etwas, was in

statistisch erfassten Größen und Mengen nach fest- gelegten Normen hergestellt uns

angeboten wird. Funktioniert allerdings gut, wenn das Individuum diesen Normen entspricht,

den verordneten modischen Trends folgt, Sinn und Nützlichkeit erkennt und wünscht.

Also eine Art „Pars pro toto“? - Ein Teil [steht] für das Ganze?

Bei Karl Marx bildet das „Pars pro toto“ ein Prinzip des Warenfetischismus: Der Prozess

menschlicher Arbeit wird im Warenfetischismus durch sein isoliertes Resultat, also die auf dem

Markt in Erscheinung treten- de Ware ersetzt, und dadurch verschleiert. Die sozialen Prozesse

und Verhältnisse, die mit ihrer Herstellung verknüpft waren, sieht man der fertigen Ware nicht

mehr an, wie z.B. heute vor allem bei den in den Billigländern produzierten Waren... Aber damit

entferne ich mich jetzt ganz sicherlich zu weit von den Intentionen der Künstlerin und ihrem

Werk...

Conny Wischhusen bewegt sich als Künstlerin in der sogenannten Ab- strakten Kunst, die eine

Sammelbezeichnung für nach 1900 in Erscheinung getretene Kunstrichtungen des 20.

Jahrhunderts ist.

Abstrakte Kunst verwendet die bildnerischen Gestaltungsmittel teils noch vom Gegenstand her

abstrahierend, oder teils völlig losgelöst von Natur und realen Gegenständen als rein

gegenstandslose Kunst.

Werke der ersteren abstrakten Kategorie zeigen noch abstrahierte, verwesentlichte, auf eine

Essenz verdichtete Gegenstände, Figuren und Räume, in die sich Conny Wischhusen

künstlerisch insbesondere mit ihren Linolarbeiten einreihen lässt und jetzt mit ihrer

„Stangenware“ sich einer späteren Kategorie in neuer Sichtweise nähert.

Werke der letzteren Kategorie bedienen sich autonom der visuellen, künstlerischen Mittel, ohne

jeden Gegenstandsbezug. Seit ihren Anfängen hat Abstrakte Kunst in immer neuen Varianten,

Stilrichtungen und Zusammenhängen weltweit ihren Platz in der Kunstszene behauptet.

Conny Wischhusen hat ihren ganz eigenen Weg gesucht und wie man sieht, gefunden, auch in

ihren eigenen neuen Varianten, die für mich doch immer in einem erkennbaren Zusammenhang

stehen.

In ihren Macharten dürfen wir auch eine Form der wegweisenden Kunst sehen - die wegführt

von Verschwendung dinglicher Ressourcen durch Wiederverwertung, - hinführt zu reduzierter

Ausschöpfung wertvoller Naturmaterialien. Das ist nicht nur gut so, sondern das sieht dann bei

Conny Wischhusen auch noch richtig gut aus.“

 

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